Internationales
Schlag gegen den illegalen Waffenhandel: OP Armstrong erzielt europaweite Erfolge
Im Rahmen der internationalen Schwerpunktaktion OP Armstrong wurden europaweit umfangreiche Erfolge im Kampf gegen den illegalen Handel mit Schusswaffen, Waffenteilen und Munition erzielt. Die Operation ist Teil des EMPACT-Firearms-Zyklus 2024-2025 von EUROPOL und stand unter der Leitung Österreichs.
Ziel der Initiative war es, gegen kriminelle Netzwerke und Einzelpersonen vorzugehen, die in den illegalen Handel, die Verteilung und den Missbrauch von Waffen involviert sind – insbesondere über den Versandweg mittels Post- und Kurierdienste.
Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf: "Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie wirksam moderne Polizeiarbeit ist, wenn internationale Zusammenarbeit, konsequente Ermittlungsarbeit und digitale Analyseinstrumente nahtlos ineinandergreifen. Als Generaldirektion schließen wir gemeinsam mit unseren internationalen Partnern Sicherheitslücken und entziehen kriminellen Netzwerken nachhaltig die Grundlage. OP Armstrong ist ein starkes Signal: Österreich übernimmt Verantwortung und gestaltet das europäische Sicherheitsnetzwerk aktiv mit."
Die OP Armstrong ist dabei eingebettet in eine Reihe weiterer Maßnahmen im Rahmen des EMPACT Firearms, die im selben Zeitraum auch unter anderen internationalen Leitungen durchgeführt wurden. Die österreichische Führung dieser Operation unterstreicht die zentrale Rolle Österreichs in der europäischen Sicherheitsarchitektur und im gemeinsamen Vorgehen gegen grenzüberschreitende Waffenkriminalität.
EMPACT Firearms: Gemeinsames Vorgehen gegen Waffenkriminalität
Der bei EUROPOL bestehende EMPACT-Firearms-Zyklus 2024-2025 verfolgt das strategische Ziel, kriminelle Netzwerke und Einzelpersonen zu identifizieren und zu bekämpfen, die am illegalen Handel, an der Verbreitung und am Einsatz von Schusswaffen beteiligt sind. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf einem zunehmend genutzten Modus Operandi: dem Missbrauch von Post- und Paketdiensten für den Versand von Waffen, Waffenteilen und Munition innerhalb der Europäischen Union sowie aus Drittstaaten in den EU-Raum.
Unterschiedliche nationale Rechtslagen werden von Kriminellen gezielt ausgenutzt. So können Waffen oder wesentliche Bestandteile, die in einem Staat verboten oder beschränkt sind, in anderen Ländern oft vergleichsweise einfach – insbesondere über das Internet oder auch über Darknet-Marktplätze – bestellt und anschließend per Paketdienst versendet werden. Angesichts von Millionen täglich transportierter Sendungen stellt die gezielte Identifizierung verdächtiger Sendungen eine erhebliche Herausforderung für Polizei- und Zollbehörden dar. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei eine präzise Risiko- und Lageanalyse: zu wissen, wonach gesucht werden muss, wo angesetzt werden soll und wann neue Trends auftreten.
OP Armstrong: Seit 2014 im Einsatz gegen den Waffenversand per Paket
Die Operation Armstrong wird bereits seit 2014 durchgeführt und baut auf den Erfahrungen früherer Einsätze sowie auf der Analyse konkreter Ermittlungsverfahren auf. In der aktuellen Phase (April 2024 bis Dezember 2025) wurden zudem neue rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt, wonach Post- und Expressdienstleister verpflichtet sind, für alle in die EU eingeführten Sendungen elektronische Zolldaten sowie Sicherheitsinformationen bereitzustellen.
Auf dieser Grundlage wurden neue Risikoindikatoren entwickelt, um verdächtige Sendungen gezielter identifizieren zu können. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Zollbehörden und der privaten Logistikbranche sowie die verstärkte internationale Kooperation.
Die Leitung der Operation lag bei Österreich, Co-Leads sind Spanien, Schweden, die Europäische Kommission, das Vereinigte Königreich und UNODC. An der OP Armstrong beteiligen sich zahlreiche EU-Mitgliedstaaten, weitere europäische und außereuropäische Staaten sowie EU-Agenturen und internationale Partnerorganisationen, darunter Europol, Eurojust, Interpol und das ARCO-Netzwerk.
Europaweite Ergebnisse: Umfangreiche Sicherstellungen und zahlreiche Durchsuchungen
Im Zuge der europaweit koordinierten Maßnahmen konnten beachtliche Erfolge erzielt werden. Insgesamt wurden sichergestellt:
• 426 Schusswaffen und 185 Schreckschusswaffen
• 162 Waffenteile und 129 Magazine
• 90 weitere verbotene Waffen
• 6.159 Stück sowie 55 Kilogramm Munition
• Bargeld in Höhe von 358.900 Euro
• mehr als 112 Kilogramm verschiedene Suchtmittel
Darüber hinaus wurden europaweit über 100 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Diese Zahlen verdeutlichen sowohl das Ausmaß des illegalen Waffenhandels als auch die hohe Wirksamkeit koordinierter internationaler Kontrollen und Ermittlungsmaßnahmen.
Österreichische Ergebnisse: Wesentlicher Beitrag zur europäischen Sicherheitsarbeit
In Österreich konnten im Rahmen der OP Armstrong durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit des Bundeskriminalamtes mit der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst sowie den Landespolizeidirektionen umfangreiche Sicherstellungen erzielt werden:
• 7 Gewehre und 27 Pistolen
• 37 Teile von Schusswaffen
• 1 Granate für einen Granatwerfer (Mörser)
• 92 verbotene Waffen
• 27 Magazine
• 36 Schalldämpfer
• 42 Schreckschusswaffen
• 55 Kilogramm Munition
Diese Ergebnisse zeigen, dass der Versandweg über Post- und Paketdienste auch in Österreich gezielt für den illegalen Waffenhandel missbraucht wird – und dass konsequente Kontrollen und Ermittlungen ein wirksames Mittel zur Bekämpfung dieser Form der organisierten Kriminalität darstellen.
"Die Ergebnisse von OP Armstrong sind das Resultat akribischer Ermittlungsarbeit und einer konsequenten Auswertung von Risikoindikatoren im Versandverkehr. Im Schulterschluss mit der DSN erhöht das Bundeskriminalamt spürbar den Kontrolldruck auf jene Täter, die den anonymen Paketversand für ihre kriminellen Geschäfte missbrauchen," resümierte der Direktor des Bundeskriminalamtes Andreas Holzer.
Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
OP Armstrong belegt eindrucksvoll, dass grenzüberschreitende Kriminalität nur durch enge internationale Kooperation wirksam bekämpft werden kann. Der strukturierte Informationsaustausch, gemeinsame Risikoanalysen und abgestimmte operative Maßnahmen zwischen Polizei, Zoll und internationalen Partnern leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit in Österreich und in ganz Europa.
DSN-Direktorin Sylvia Mayer betont: "Die Ermittlungen und Sicherstellungen im Rahmen der OP Armstrong zeigen, dass der illegale Waffenhandel eine ernsthafte Bedrohung für die innere Sicherheit darstellt, insbesondere, weil illegale Schusswaffen bzw. Waffenteile in weiterer Folge in die Hände extremistischer oder terroristischer Akteure gelangen können. Durch die enge Kooperation zwischen Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz gelang ein wichtiger gemeinsamer Schlag gegen den internationalen illegalen Waffenhandel, durch den die damit einhergehenden Sicherheitsrisiken minimiert werden konnten."